Phishing auf Signal und WhatsApp erkennen und abwehren
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Kurz erklärt: Angreifer senden einen QR-Code über eine
Nachricht. Wer ihn scannt, verbindet sein Konto heimlich mit einem
fremden Gerät. Dieser Leitfaden zeigt in 4 Schritten, wie Sie den
Angriff erkennen, Ihr Konto retten, Beweise sichern und Anzeige
erstatten.
Hintergrund: Diese Masche wird besonders von
staatlichen Angreifern aus Russland („Star Blizzard" / „Coldriver")
gegen Aktivist:innen, Journalist:innen, Diplomat:innen und
Militärangehörige eingesetzt. Die Technik funktioniert aber gegen
jede Person, die Signal oder WhatsApp nutzt.
Wichtig — Bitte zuerst lesen:
Scannen Sie niemals einen QR-Code aus einer
unerwarteten Nachricht — auch nicht von bekannten Kontakten.
Rufen Sie die Person vorher an und fragen Sie nach.
Löschen Sie die Nachricht nicht sofort.
Machen Sie zuerst einen Screenshot. Die Nachricht ist
ein wichtiges Beweismittel.
Ihre Sicherheit geht vor.
Wenn Sie sich bedroht fühlen, wenden Sie sich an die
Polizei (110) oder eine
Beratungsstelle.
01
Angriff erkennen
Die Angreifer nutzen eine normale Funktion der Messenger:
Signal und WhatsApp erlauben, ein Konto zusätzlich auf einem
weiteren Gerät zu nutzen. Dafür wird ein QR-Code gescannt.
Die Angreifer schicken einen gefälschten QR-Code und hoffen,
dass Sie ihn scannen.
Typische Tarnungen:
Angebliche Sicherheitsüberprüfung:
Eine Nachricht sagt, Sie müssten Ihr Konto „bestätigen"
oder „verifizieren", sonst werde es gesperrt.
Gefälschte Gruppen-Einladung:
Ein vermeintlicher Einladungslink führt zu einer Webseite
mit einem QR-Code. Die Webseite sieht aus wie Signal oder WhatsApp.
Nachricht von bekannten Kontakten:
Ein bereits gekapertes Konto schickt den QR-Code an die
eigenen Kontakte weiter. Der Absender wirkt vertraut.
Dringlichkeit und Druck:
„Nur heute", „Sonst Kontoverlust", „Wichtig — sofort handeln".
Seriöse Anbieter arbeiten nie mit Zeitdruck.
Merkregel: Signal und WhatsApp schicken Ihnen
nie einen QR-Code zum Scannen in einem Chat.
Wenn Sie ein weiteres Gerät koppeln wollen, erzeugen Sie den
QR-Code selbst in den Einstellungen.
02
Sofortmaßnahmen ergreifen
Prüfen Sie jetzt, ob ein fremdes Gerät mit Ihrem Konto verbunden ist.
Das geht in wenigen Sekunden.
Bei Signal:
Öffnen Sie Signal.
Tippen Sie oben links auf Ihr Profil-Bild.
Wählen Sie Einstellungen.
Tippen Sie auf Gekoppelte Geräte.
Prüfen Sie jedes gelistete Gerät. Kennen Sie das Gerät nicht?
Tippen Sie auf das Gerät und wählen Sie Entfernen.
Bei WhatsApp:
Öffnen Sie WhatsApp.
Tippen Sie auf Einstellungen (unten rechts).
Wählen Sie Verknüpfte Geräte.
Tippen Sie auf jedes unbekannte Gerät und anschließend auf
Abmelden.
Zusätzlich absichern:
Signal: Einstellungen → Konto →
Registrierungssperre aktivieren.
Legen Sie eine PIN fest, die nur Sie kennen.
WhatsApp: Einstellungen → Konto →
Verifizierung in zwei Schritten aktivieren.
Legen Sie eine sechsstellige PIN fest.
Telefon und App aktualisieren:
Installieren Sie alle verfügbaren Updates.
Gut zu wissen: Wenn Sie die fremde Sitzung
getrennt haben, kann der Angreifer keine neuen Nachrichten
mehr mitlesen. Schon gelesene Nachrichten bleiben aber
möglicherweise in seiner Kopie erhalten.
03
Beweise sichern
Für die Anzeige bei der Polizei sind Beweise entscheidend.
Halten Sie alles fest, was Sie noch haben.
Was Sie dokumentieren sollten:
Screenshot der schädlichen Nachricht
mit dem QR-Code.
Screenshot des Absender-Profils
(Name, Telefonnummer, Profilbild, Zeitstempel).
Screenshot der gekoppelten Geräte
vor dem Entfernen: Gerätename, Betriebssystem, letzte Aktivität.
Zeit-Logbuch:
Wann ist die Nachricht angekommen? Wann haben Sie den Code
(eventuell) gescannt? Wann haben Sie die Sitzung getrennt?
Wichtig: Speichern Sie alle Screenshots
außerhalb der betroffenen App —
etwa in einem Cloud-Speicher mit eigenem Passwort
oder auf einem USB-Stick.
04
Melden und anzeigen
Jetzt geht es darum, die Tat offiziell zu machen.
Das schützt andere Menschen und hilft den Behörden,
das Muster zu erkennen.
Das BSI sammelt Angriffsdaten und kann Sie technisch beraten.
In der App melden:
Signal: Im Chat lange auf die Nachricht tippen
→ Melden und blockieren.
WhatsApp: Im Chat auf den Absender tippen
→ nach unten scrollen → Kontakt melden.
Kontakte warnen:
Wenn Ihr Konto gekapert war, haben die Angreifer die Nachricht
eventuell an Ihre Kontakte weitergeleitet. Informieren Sie
enge Kontakte aktiv — am besten per Anruf.
Besondere Zielgruppen:
Wenn Sie als Journalistin, Aktivist, Mitarbeiter:in einer Hilfsorganisation (NGO),
in einer Behörde oder im Militär arbeiten, melden Sie den
Vorfall zusätzlich an die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime
(ZAC) Ihres Bundeslandes und an Ihre interne IT-Sicherheit.
Hintergrund: Wie funktioniert die Masche technisch?
Signal und WhatsApp erlauben, dass ein Konto auf mehreren Geräten
gleichzeitig läuft — zum Beispiel Smartphone und Laptop.
Dafür gibt es die Funktion „Gekoppelte Geräte"
(Signal) oder „Verknüpfte Geräte"
(WhatsApp). Wer ein neues Gerät koppeln will, erzeugt in der App
einen QR-Code. Das andere Gerät scannt den Code —
und ist dann mit dem Konto verbunden.
Die Angreifer machen genau das: Sie erzeugen einen QR-Code auf
ihrem Gerät und schicken ihn Ihnen — verpackt
als Sicherheitswarnung oder Einladung. Scannen Sie den Code,
verbinden Sie Ihr Konto mit dem Gerät der Angreifer.
Die Angreifer lesen dann alle neuen Nachrichten mit.
Der niederländische Nachrichtendienst AIVD und der BND haben
diese Technik vor allem bei staatlichen russischen Akteuren
beobachtet. Sie wird aber auch von kriminellen Gruppen kopiert.
Infografiken
Zwei Infografiken fassen die wichtigsten Punkte zusammen.
Sie dürfen die Bilder frei weitergeben (TLP:CLEAR).
Erkennungsmerkmale von QR-Code-Phishing.Textversion der Infografik
Warnsignale: 1) QR-Code in einer unerwarteten Nachricht.
2) Aufforderung zu sofortigem Handeln. 3) Drohung mit
Kontosperre. 4) Nachricht aus bekanntem Kontakt, der sonst
nie solche Nachrichten schickt. 5) Link, der zu einer
Webseite mit QR-Code führt.
Schutzmaßnahmen gegen QR-Code-Phishing.Textversion der Infografik
Schutz-Schritte: 1) In den App-Einstellungen gekoppelte
oder verknüpfte Geräte prüfen. 2) Unbekannte
Sitzungen trennen. 3) Registrierungssperre (Signal) oder
Verifizierung in zwei Schritten (WhatsApp) aktivieren.
4) App und Betriebssystem aktuell halten.
5) Niemals QR-Codes aus Chat-Nachrichten scannen.
Erklärvideo
In einem kurzen Video erklären wir den Angriff und die Schutzmaßnahmen.
Das Video liegt auf unserem YouTube-Kanal.
Es wird nichts von YouTube geladen, solange Sie nicht auf
„Video ansehen" tippen. Beim Öffnen gelten die Datenschutzbestimmungen
von YouTube (Google LLC).
Die Verbraucherzentrale sammelt im Phishing-Radar
laufend aktuelle Betrugsmaschen — welche gefälschten E-Mails und SMS
gerade im Umlauf sind. Ein Blick dorthin hilft, neue Maschen früh zu erkennen.
Das Original-Dokument und die Infografiken sind TLP:CLEAR —
sie dürfen frei weitergegeben werden. Die Material-Sammlungen (auf GitHub und Codeberg) sind noch in
Vorbereitung; das Erklärvideo finden Sie bereits auf YouTube.
🗎PDF-Leitfaden: Phishing Signal / WhatsAppPDF, ca. 9,4 MB — TLP:CLEARin Vorbereitung🛠GitHub — Alle Phishing-MaterialienPDF (DE + NL), Video, 2 Infografikenin Vorbereitung🛠Codeberg — Spiegel-RepositoryIdentischer Inhalt, alternative Plattformin Vorbereitung🎥YouTube — ErklärvideoPhishing-Betrug auf Signal und WhatsApp↗
Wir prüfen unsere Leitfäden regelmäßig auf Aktualität von Rechtsangaben, Telefonnummern und Verweisen. Den Stand der gesamten Website finden Sie unter Über uns.
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Verwendet die für Menschen mit Dyslexie entwickelte, lokal eingebundene Schriftart OpenDyslexic sowie großzügigere Abstände.
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